Jahresbericht 2003

Die Überschrift für den Jahresbericht 2002 lautete Ruhe ist eingekehrt, was sicherlich auch die Situation nach den vorausgegangenen Jahren treffend beschrieb.
Im Jahr 2003 war es mit dieser Ruhe dann aber bald schon wieder vorbei.
Eine komplett neue Satzung und Zuchtbuchordnung mit für jede Rasse einzeln ausformulierten Zuchtprogrammen wurde verabschiedet. Dies geschah nach einem ereignisreichen Frühjahr auf der Delegiertenversammlung im Mai gleich nach den FN-Tagungen in Verden, bei denen die neue Zuchtverbandsordnung (ZVO) der FN verabschiedet wurde. Der Termin der Delegiertenversammlung soll in Zukunft beibehalten werden, damit eventuelle Änderungen in der ZVO gleich in unsere Satzung übernommen werden können. Nachdem Herr Ulrich Stöter, Auhagen sich als 2. Vorsitzender nicht mehr zur Wahl stellte wurde auf der gleichen Versammlung als neuer stellvertretender Vorsitzende Herr Ralf Grober, Clus gewählt und Herr Norbert Jacquemar, Wolfsburg wurde als 1. Vorsitzende im Amt bestätigt. Weiterhin wurden die Zuchtausschüsse für die einzelnen Rassen gewählt. Die Zuchtausschüsse tagten alle vor der Körung im Oktober um ihre jeweiligen Rassevertreter in der Körkommission zu wählen.
Es folgten die Stuten- und Fohlenschauen.
Wenn man diese in die Sommer- und die Herbsttour aufteilt ist festzustellen, dass die Zahl der im Herbst vorgestellten Stuten und Fohlen zunimmt. Im Sommer waren es 31 Stuten und 859 Fohlen. Dazu kamen im Herbst noch einmal 205 Stuten und 525 Fohlen. Das Verhältnis Sommertour zu Herbsttour ist ca. 60:40. Diese Entwicklung bedeutet natürlich eine wesentlich höhere Arbeitsbelastung in den Monaten September/Oktober in die darüber hinaus auch schon die Zuchtstutenprüfung und die Körung fallen. Ein Grund für die Steigerung im Herbst ist sicherlich die Tatsache, dass erfreulicherweise die Zahl der Islandpferde kontinuierlich zunimmt, bei denen traditionell die Fohlen später geboren werden.
Ein anderer Grund ist aber auch der, dass Züchter sich vermehrt in Form von Hofterminen zu Hause besuchen lassen, auch wenn sie nur 2 oder 3 Pferde vorzustellen haben. Als moderner Verband steht neben der Zucht die Betreuung der Mitglieder als Dienstleistungsunternehmen im Vordergrund. Dienstleistungen zum Wohle (zur Bequemlichkeit) der Züchter müssen sich natürlich für den Verband rechnen lassen und dürfen im Endeffekt kein Minus verursachen. Für die Zukunft ist es sicherlich nicht  mehr möglich bei einem Hoftermin für die Anreise kein Kilometergeld zu berechnen und auch die Gebühr für den Hoftermin ist unter Berücksichtigung des großen Zeitaufwandes recht niedrig. In diesem September wurde dann auch noch erstmals eine Vorauswahl für die Körung, mit 5 Terminen verteilt, im Verbandsgebiet durchgeführt. Pro Termin wurden im Durchschnitt 27 Hengste vorstellt. Wie schon im Bericht über die Körung geschrieben, hat sich die Durchführung der Vorauswahl im nachhinein als durchaus positive Maßnahme erwiesen. Im Rahmen unserer Körung führte am Samstag das Stammbuch für Kaltblutpferde Niedersachsen e.V. eine Körung durch, was unsere Veranstaltung auflockerte und um weitere Pferderassen bereicherte. Im November fanden, leider genau am gleichen Termin, die Tagungen der Rasseparlamente und die Abschlussprüfung des ersten 30 Tage-Tests für Ponyhengste in der Hengstprüfungsanstalt in Adelheidsdorf statt. Über die gelungene Premiere wurde bereits berichtet. Die Ergebnisse der Sitzungen der Rasseparlamente werden veröffentlicht, wenn durch die entsprechenden Gremien beschlossen wurde sie um zusetzen und anzuwenden. Als letzte Aktivität im Jahr stand wie immer die Teilnahme an der Messe Pferd und Jagd in Hannover auf dem Programm. Die Zusammenarbeit mit den Vertretungen der einzelnen Rassen auf dem Infostand klappte in gewohnter Weise gut. Hervorzuheben ist in diesem Jahr der Erfolg der Kollektion der Verkaufsponys. Mit der Septemberausgabe der Verbandszeitschrift Der Hannoveraner wurde allen Mitgliedern die neue Satzung offiziell bekannt gegeben. Der Anhang zum Teil III, die jeweiligen Zuchtprogramme, wurde den aktiven Züchtern im Dezember mit der Post, mit freundlicher Unterstützung der Versicherung R+V/LTV und der Firma Degussa, zugesandt. Ein Jahr also, in dem es von Anfang bis Ende nicht langweilig wurde. Ein Blick auf die Statistik zeigt leider, dass die Bestandszahlen anders als die Neuerungen und Aktivitäten rückläufig sind.
In Tabelle 1 ist ein Rückgang des Mitgliederbestandes vom 1.1.2003 bis 1.1.2004 um 69 Personen festzustellen. Als positiv ist zu werten, dass die Zahl der Abgänge in 2003 geringer ist als in 2002. Auch in Tabelle 2 ist in allen drei Positionen ein Rückgang zu verzeichnen. Am deutlichsten ist er bei den neu eingetragenen Stuten und vor allem bei den Bedeckungen, bei denen ein Minus von 209 zu Buche schlägt, was darauf schließen lässt, dass im Jahr 2004 die Marke von 1300 Fohlen wahrscheinlich nicht erreicht wird. Bei den Stuten ist es die geringste Zahl seit 1991, als es nur 498 neu eingetragene Stuten waren. Mit 1703 war die Zahl der Bedeckungen zuletzt 1989 geringer als im Berichtsjahr. Wendet man sich der Tabelle 3 – Stutbucheintragungen – zu, stellt man fest, dass sich die Situation in den letzten Jahren deutlich geändert hat. In diesem sind zum ersten Mal mehr Eintragungen bei den Islandpferden zu verzeichnen als bei den Deutschen Reitponys. Diese beiden Rassen zusammen stellen 51% der neu eingetragenen Stuten. Weitere 19,3% stellt die Gruppe Shetlandpony, Shetlandpony < 87 cm, D.P.B. Shetlandpony und D. Classic Pony. Die nächst größere Rasse ist mit 12, 7% die des Haflingers. Aus den zwölf weiter aufgeführten Rassen sind die restlichen 17% der neu eingetragenen Stuten. Durch die eindeutige Einteilung in geschlossene und offene Zuchtbücher und die neue Unterteilung in S1, S2 und V anstatt H, S, V1 und V2 hat sich die Zahl der neu eingetragenen Stuten noch deutlicher zur nächsten Stutbuchabteilung verschoben. Waren im letzten Jahr noch 87,8% im Hauptstutbuch registriert worden so sind es jetzt 92,5% im Stutbuch 1. Bei den registrierten Fohlen (Tab. 4) liegen die Reitponys wie gewohnt noch mit 29 Fohlen vor den Islandpferden. Es folgt die Gruppe Shetlandpony, Shetlandpony < 87 cm, D.P.B. Shetlandpony und D. Classic-Pony mit 228 Fohlen und dann die Haflinger mit 188 Fohlen. Diese o.g. Rassen haben mit 84% der Fohlen in etwa den gleichen Anteil wie bei den Stutbucheintragungen. Die größten Einbußen haben die Deutschen Reitponys (-48) und die D.P.B. Shetlandponys (-30), wenn man die absoluten Zahlen betrachtet. Bezogen auf die gesamte Fohlenzahl der Rasse ist der Rückgang bei den D.P.B. Shetlandponys wesentlich größer als bei den Reitponys. Einen grünen Pferdepass ohne Angabe einer Rasse erhielten erstmals 50 Fohlen. Um eine Zuchtbescheinigung mit Rasseangabe zu erhalten müssen ab diesem Jahr beide Elternteile eingetragen sein und dem Anpaarungsschema der jeweiligen Rasse entsprechen. Zum ersten Mal wurden Fohlen der Rassen Aegidienberger und Lewitzer registriert. Die im letzten Jahresbericht angestrebte Reduzierung der Fohlenprämierungen auf eine Marke von 50% wurde nicht ganz erreicht. Von den 70% prämierten Fohlen im Jahr 2002 konnte die Zahl der mit einem I. Preis prämierten Fohlen auf 63% gesenkt werden. Es muss also im kommenden Jahr noch etwas intensiver selektiert werden. Beim Gesamtpferdebestand (Tab.5) ist die Reihenfolge wie bisher Deutsches Reitpony, Islandpferd, Haflinger gefolgt von der Gruppe Shetlandpony, D.P.B. Shetlandpony und D. Classic-Pony. Wie bei den Stutbucheintragungen und den registrierten Fohlen entfallen auch beim Gesamtpferdebestand knapp über 80% (82%) auf die o.g. Rassen. Die meisten eingetragenen Stuten hat wie in den letzten Jahren Stade vor Lüneburg und Hannover. Der Abstand zwischen der Region Stade und Lüneburg ist deutlich geringer geworden, was auf die ansteigenden Zahlen bei den Islandpferden zurückzuführen ist, die in Lüneburg besonders stark vertreten sind. Das Verhältnis Hengst : Stute ist mit 6,3 Stuten pro Hengst gleich geblieben gegenüber dem Vorjahr. Tatsächlich geboren wurden von jedem Hengst im Durchschnitt nur 2,55 Fohlen. Wenn man die Zahlen mit ihren rückläufigen Tendenzen betrachtet darf man nicht in Panik verfallen, sondern man muss sich klar machen, dass wir nicht der einzige Verband mit dieser Entwicklung sind, die sicherlich einen Spiegel der momentanen wirtschaftlichen Situation ist. Aus züchterischer Sicht heißt es genügend Qualität behalten um im richtigen Moment mit Qualität im richtigen Umfang am Markt erscheinen zu können. In finanzieller Hinsicht muss jetzt umsichtig und sparsam gewirtschaftet werden, ohne unnötigen Luxus, damit die Qualität der Dienstleistung für die Mitglieder möglichst ohne zusätzliche Kosten erhalten werden kann.